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Hotel-Kritik: Hafendorf Rheinsberg

Die erste Hotel-Kritik gibt es zum IFA Hotel Hafendorf Rheinsberg.
Sollten Sie bei “IFA” eher Assoziationen zu einer vergangenen Ära von Nutzfahrzeugen haben als zu Hotels, geht es Ihnen ähnlich wie mir (und einigen anderen Gästen) …

Der Aufenthalt in Rheinsberg war dieses Mal rein privater Natur und sollte ein entspanntes Wellness-Wochenende ohne Seminar, Schreibtisch und Notebook sein.

1. Anfahrt, Ausschilderung, Parkplatz

Die Adresse des Hotels war im Navigationssystem nicht zu finden. Dabei möchte ich die Schuld jedoch nicht beim Hotel suchen, denn die Jeep-Navigationssysteme bestechen ab und zu durch deutliche Optimierungsspielräume.

Allerdings habe ich später festgestellt, dass es insgesamt drei verschiedene Namen für ein und dieselbe Straße gibt. Da ist wohl die Phantasie mit den Verantwortlichen ein wenig durchgegangen.
Nachdem wir eine Straße in der Nähe gesucht und eingegeben hatten, ging die Anfahrt problemlos und das Hotel war in Rheinsberg auch gut ausgeschildert.
Die Vorfahrt vor das Hotel war auch bei den vorherrschenden Witterungsverhältnissen (Schnee und Eis) gut.

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IFA Hafenhotel Rheinsberg

2. Erster Eindruck (außen, innen)

Der erste Eindruck von außen war “Hmm, das ist ja aufregend …”
Ein ziemlich großer Neubau in pastellgelb gehalten mit der Anmutung eines Schnellbaus aus dem Architektur-Baukasten für Einsteiger.

Innen erwartete uns eine riesige aber recht niedrige Halle mit abgehängter Decke im Büro-Stil der späten 80er mit den dafür typischen 12-Volt-Halogen-Einbauspots.
Der Fliesenfußboden sorgte in Verbindung mit der großen Fläche, diversen tragenden Säulen und der niedrigen Decke für eine Art OP-Charme.

3. Empfang, Rezeption, Check-In

Der Empfang an der Rezeption war sehr nett, zwar ein wenig “bemüht” und leicht auswendig gelernt heruntergebetet, aber dennoch freundlich und herzlich.
Der Bellcaptain (wenn er es denn war) bot sofort ein Valet-Parking an und da er vertrauenswürdig aussah, drückte ich ihm meinen Autoschlüssel auch in die Hand.
Dass er das Auto jedoch auf dem Behindertenparkplatz abstellte, bescherte uns beim Einsteigen bei der Abreise einige böse Blicke von anderen Gästen.

Sehr angenehm fand ich, dass das Anmeldeformular nicht sofort ausgefüllt werden musste, sondern später an der Rezeption abgegeben werden konnte.

4. Zimmer (Größe, Ausstattung, Sauberkeit)

Der Weg zum Zimmer war gut ausgeschildert, doch irgendetwas fehlte mir.
Ich kam erst später darauf, was es war – die Abwesenheit dieser hoteltypischen psychodelischen Muster im Teppich, bei denen man selbst im nicht-alkoholisierten Zustand Mühe hat, schwindelfrei anzukommen.
Die Proportionen der Flure entsprachen denen der Halle – breit und niedrig. Dadurch verstärkte sich der OP-Charme zu einem beginnenden Krankenhaus-Flair.

Das Zimmer an sich überraschte uns dann doch. Es war vergleichsweise geräumig, wirklich charmant und liebevoll eingerichtet und ordentlich ausgestattet. Allerdings sollte bei der Bestuhlung der Zimmer auch die Anzahl der darin wohnenden Gäste berücksichtigt werden. Hier gab es für zwei Personen nur eine wirkliche Sitzgelegenheit in Form eines bequemen Sessels, sowie zwei Hocker in Würfelform.

Auch die Größe des Badezimmers konnte sich sehen lassen. Etwas irritierend, aber ein nettes Gimmick war das überdimensionierte Bullauge, durch das man vom Bad in das Zimmer blicken konnte. Allerdings auch umgekehrt …
Später habe ich festgestellt, dass der mittig geteilte Spiegel sich wie ein Vorhang vor das Bullauge ziehen lässt und das Bad bei Bedarf zu einer Stätte der kontemplativen Einkehr werden lässt.

Sowohl das Zimmer als auch das Bad waren sauber, was auch am zweiten Tag der Fall war. Lediglich die Toilette roch bei der Ankunft ein wenig benutzt, da Hoteltoiletten (unabhängig von der Sterne-Klassifizierung) ohnehin als erstes einer Sagrotan-Behandlung unterzogen werden, gab sich das schnell.

5. Bistro, Bar, Restaurant

Kurz nach unserer Ankunft suchten wir die Bistro-/Bar-Kombination auf, um einen Kaffee zu trinken.
Dabei handelte es sich um eine großzügige, offene Nische vor einem der Restaurants. Das Mobiliar war gefällig, der Bodenbelag (Teppich mit interessantem Karomuster) auch, nur wirkte die Zusammenstellung etwas lieblos. Das kann aber auch an der Abwesenheit jeglicher Atmosphäre gelegen haben, die unter anderem durch die überall im Hotel anzutreffende, abgehängte “Büro”-Decke mit Halogen-Spots, durch die fehlende Abgrenzung zum breiten Gang und Restaurant-Eingang oder durch den sehr präsenten, mannshohen, weißen Kühlschrank neben dem Tresen erzeugt wurde.
Vielleicht lag es aber auch ein bisschen an den rund 200 Gläsern, die auf dem Tresen gelagert wurden und somit die Aura eines Abstellraumes verbreiteten.
Dass der (und nicht die) Latte Macchiato serviert wurde, ließ sich verschmerzen, dass der koffeinfreie Cappuccino jedoch auf löslicher Kaffeebasis konstruiert wurde hingegen weniger.
Ein Blick in die Getränkekarte zeigte eine interessante Auswahl bei Cocktails und Longdrinks sowie eine Sortierung sehr schöner Weine, die durch weitere Weine im offenen Regal ergänzt wurde.

Das Hotel Hafendorf Rheinsberg wirbt mit der Auswahl seiner drei Restaurants. Leider war nur eines davon geöffnet, die anderen beiden sind während der Wintermonate geschlossen, was weder auf der Internetseite noch in der Hotelbeschreibung ersichtlich war.
Vor dem Betreten des Restaurants am Abend wurden wir empfangen, nach unserer Zimmernummer (nicht nach unserem Namen) gefragt und zum Tisch geführt, mit der Erklärung, dass dies nun “unser” Tisch während unseres gesamten Aufenthalts sei. Keine Frage, ob uns der Tisch gefällt oder ob wir gerne woanders sitzen würden.
Kurz nachdem wir Platz genommen hatten, kam der freundliche Barkeeper, der offensichtlich eine multiple Funktion als “Chief of Beverages” im gesamten Haus hatte, begrüßte uns namentlich (was mich in der Tat beeindruckte) und fragte unsere Getränkewünsche ab. Die Qualität der servierten Weine war gut, das Preis-/Leistungsverhältnis dafür angemessen.

Passend zur Speisesaal-Atmosphäre des Restaurants (große Fläche, niedrige Decke) war das Buffet organisiert. Zwar ging es, Bankett konform, von rechts (kalte Vorspeisen) über mehrere Vitrinen nach links (warme Hauptgerichte), die Réchauds waren jedoch so verschachtelt und eng angeordnet, dass der Zugriff darauf nur schwer gelang.
Zur Auswahl standen zweierlei Fischfilets (Pangasius und Wels), die leider ziemlich matschig waren und quasi postmortem in der Sauce ertrunken sind sowie diverses von Ente und Gans, die das andere Ende der Konsistenz-Skala darstellten, nämlich trocken und hart.

Das Frühstück am nächsten Morgen wartete mit der Überraschung auf, dass nicht nur “unser” Tisch, sondern auch sämtliche anderen Plätze besetzt waren. Anscheinend wird das Frühstücksbuffet nicht nur von den Hotelgästen genutzt, sondern auch von den Bewohnern und Gästen der zahlreichen Ferienhäuser im Hafendorf-Areal.
Kur vor unserer Entscheidung, das Frühstück auf das Zimmer zu bestellen, wurde überraschend ein Tisch frei und wir konnten statt auf Sessel und Würfelhocker im Zimmer auf richtigen Stühlen im Restaurant sitzen.
Das Angebot war gut, neben den üblichen Verdächtigen gab es die Möglichkeit, Eierspeisen nach Wunsch frisch zubereiten zu lassen und der Wunsch nach Latte Macchiato und Cappuccino anstelle der Kanne Filterkaffee wurde ebenso unkompliziert wie gerne erfüllt.

Was mich seit einiger Zeit in den meisten Hotels erstaunt, sind diese neuen Nutella-Packungen, die der Form des Nutellaglases nachempfunden sind. Im Gegensatz zu den früheren runden Packungen bekommt man nun maximal 70% des Inhalts aus dieser Packung und verbraucht so deutlich mehr Nutella. Gut für den Hersteller, nachteilig für die Kostenstruktur des Hotels …

6. Einrichtungen (W-LAN, Wellness etc.)

Dass ein kostenfreies W-LAN (zumindest in der Lobby) zwar einen geringen Aufwand für das Hotel, allerdings einen sehr hohen Nutzwert (und bei vielen Reisenden inzwischen ein Entscheidungskriterium) darstellt, hat sich leider noch nicht bis nach Rheinsberg herumgesprochen. In viele andere Häuser jedoch auch nicht, das muss der Fairness halber erwähnt werden.
Für mich hatte es dieses Mal ausnahmsweise eine untergeordnete Priorität, da ich zu Rekreationszwecken ja ohnehin ohne Arbeitsgerät angereist war.

Da wir den Aufenthalt als Wellness-Wochenende gebucht hatten, ging es nach dem Frühstück zunächst in das großzügige Schwimmbad und anschließend zu diversen Anwendungen. Diese wurden sehr nett und zuvorkommend durchgeführt und es drohte sich, nach einer anstrengenden Woche, Entspannung einzustellen.
Fast – denn als wir nach einem kurzen Spaziergang durch die Winterlandschaft wieder ins Schwimmbad kamen, war im Wasser nur noch wenig Platz und für die im gesamten Spa-Bereich anwesenden, insgesamt ca. 150 Gäste gab es ungefähr 30 Liegestühle. Selbst die Ablagebänke waren besetzt, so dass es nicht einmal möglich war, den Bademantel und das Handtuch zwischenzulagern.
Meine Nachfrage an der Spa-Rezeption ergab, dass das Problem bekannt sei, es aber leider nicht mehr Liegestühle gäbe. Während mir die eine Dame diese Informationen gab, ließ die andere weitere Gruppen von externen Tagesgästen gegen Gebühr in den “Spa”-Bereich ein …
Da wir nicht damit gerechnet hatten, ein solches (ausgesprochen seltenes, da kinder- und berufsfreies) Wochenende in einem ausgewiesenen Wellnesshotel in der ungemütlichen Bar oder auf dem Zimmer zu verbringen, baten wir um Rücksprache mit einer leitenden Kraft, die leider an diesem Wochenende nicht anwesend war. Eine bemühte Dame aus dem Verkauf erklärte uns, dass es ihr leid täte, sie jedoch nichts an der Situation ändern könne und bot uns einen Nachlass von 10% auf die Übernachtung an.
Das war zwar ein nettes Zeichen, jedoch wollten wir nicht zum kleinen Preis wenig Leistung bekommen, sondern lediglich das, was uns in der Leistungsbeschreibung und dem gebuchten Arrangement versprochen wurde. Fehlanzeige auf ganzer Linie.

7. Ambiente

Mein Eindruck vom Ambiente ist sicher schon zum Ausdruck gekommen.
Durch die zum Teil riesigen Grundflächen und niedrig darüber abgehängten Decken kam eher Industrie-Feeling als Wohlfühl-Atmosphäre auf. Auf den Fluren hätten mich plötzliche Lautsprecherdurchsagen Marke “Dr. Klöbner bitte dringend in OP 3!” nicht sonderlich überrascht. Insgesamt ein wenig wie in der “guten, alten Zeit”, nur mit neuen Möbeln.

Die wohltuende Ausnahme stellte das Zimmer dar, das wirklich charmant eingerichtet war und einen schönen Blick über die winterliche Marina (und den Ferienhauspark) bot.

8. Service

Der Service war in sämtlichen Bereichen nett, zuvorkommend und teilweise sogar aufmerksam. An manchen Stellen ein wenig “bemüht” und unkoordiniert aber dennoch gut.

9. Fazit (Preis-/Leistungsverhältnis, Wohlfühlfaktor)

Zu dem gezahlten Preis haben wir schon deutlich (!) bessere Hotels kennengelernt. Irgendwie hatte ich den Eindruck, als handele es sich eher um ein Investitionsobjekt als um ein mit gastronomischem Herz und Verstand geführtes Haus, in dem Gäste empfangen, versorgt und bewirtet werden.

Haben wir uns wohlgefühlt? In puncto Haus und Ambiente ganz klar nein, in puncto Servicekräfte mit Einschränkungen ja.
Würden wir wiederkommen? Nein.
Würden wir es weiterempfehlen? Nein.

10. Bewertung insgesamt:

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Website des Hotels: www.ifa-hotel-rheinsberg.de

  1. Dr. Köhler02-14-2010

    Ich vermisse an dieser Kritik eine Aussage, wann dieses
    Wellness-Wochenende war, um einschätzen zu können wie aktuell diese Kritik ist. So zeitlos ist sie nichts wert.

  2. stiltrainer02-17-2010

    Sie haben natürlich vollkommen Recht, vielen Dank für den Hinweis.
    Der Aufenthalt war im Januar 2010.

  3. Uwe Brosch02-13-2012

    Lieber Herr / Frau Stiltrainer,

    Ihre Bewertung des IFA Hafendorf Hotels in Rheinsberg ist jetzt schon eine Zeit her.
    In der vergangenen Zeit bis Heute, dem 13.2.12, hat sich eine Menge an Veränderungen eingestellt. Auch werde ich keinen PKW mehr auf einen “Behinderten-Parkplatz” abstellen. Zur damaligen Zeit herrschte ein sehr strenger Winter – mit sehr viel Schnee und Glätte.
    Diesem Umstand zufolge, war auch der Hotelparkplatz davon betroffen und ich versuchte, den Gästen einen möglichst unkomplizierten Zugang zum PKW zu verschaffen.
    Zur benannten Zeit herrschte ein sehr strenger Winter mit sehr viel Schnee, so daß man doch einen kurzen Weg zum PKW eher schätzte. Deshalb parkte ich Ihren Wagen auf dem nächsten Weg.
    Als angelernter “Bellcaptain” habe ich meine Erfahrungen gemacht, die ich Heute in erweiterter Form anbiete, und so auch Ihren Wünschen entsprechen kann.

    Ich danke Ihnen sehr, für die ausführliche Bewertung unseres Hauses. Die damit einkehrende Kritik
    wurde in den vergangenen 2 Jahren aufgenommen und zur Verbesserung geführt.

    Leider sind wir als Personal und Hoteldirektion dem Investor unterstellt. Das haben Sie in Ihrer Darstellung schon ausführlich berücksichtigt. Wir würden es sehr gerne ändern.

    Ich bin sehr gerne Mitarbeiter in diesem Hotel und liebe es. Die Atmosphäre rund herum ist einzigartig und schön. Wir arbeiten alle daran, dass es auch das wird, was es sein soll !

    Es gibt viele Gründe, hier weiter auszuschweifen. Aber auch viele weitere, das IFA Hafendorf Hotel in Rheinsberg zu besuchen. Wir freuen uns auf SIE !!

    Ihr Portier
    Uwe Brosch

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